Martin-Luther-Kirche Laudenbach

 
Die alte Dorfkirche
Eine Kirche in Laudenbach wurde erstmals im Jahr 1238 in einer Bulle von Papst Gregor IX. erwähnt. Der spätgotische Bau der alten Dorfkirche - heute die evangelische Martin-Luther-Kirche - stammt aus der Zeit um 1500. Die Kirche wurde mehrmals, so 1612, 1722 und 1936, umgebaut oder erweitert. Seit dem Regensburger Vergleich 1653 wurde sie von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzt. Erst 1935 wurde das Simultaneum beendet, als die katholische Gemeinde die St.-Bartholomäus-Kirche errichtete.
 
Wie gut kennen Sie unsere Alte Dorfkirche?
Waren Sie schon einmal in der Sakristei? Auf der Empore? Oder gar im Glockenturm? Vielleicht wollten Sie immer wissen, wie es da aussieht?
Es gibt einen virtuellen Rundgang durch die Kirche vor der Renovierung, in Auftrag gegeben vom Landesdenkmalamt, realisiert von Zitronenwolf Medien. Entdecken sie unsere Alte Dorfkirche hier.
 
Wie gut kennen Sie unsere Alte Dorfkirche?
Waren Sie schon einmal in der Sakristei? Auf der Empore? Oder gar im Glockenturm? Vielleicht wollten Sie immer wissen, wie es da aussieht? Es gibt einen virtuellen Rundgang durch die Kirche vor der Sanierung, in Auftrag gegeben vom Landesdenkmalamt, realisiert von Zitronenwolf Medien. Entdecken Sie unsere Alte Dorfkirche hier
 
Kirchengemeinde
Die Laudenbacher Kirche wird 1238 in einer Bulle des Papstes Gregor IX. erstmals urkundlich erwähnt. Sie zählt somit zu den ältesten Kirchen in dieser Region.
Als Filiale von St. Peter in Heppenheim wird sie bereits im Jahre 805 genannt.
Sie wurde dem heiligen Bartholomäus, einem im Kloster Lorsch verehrten Heiligen, geweiht. Vom Mainzer Bischof wurde sie 1360 als Pfarrkirche dem Stift Amöneburg einverleibt. 1521 kaufte das Prämonstratenserkloster Lorsch den Zehntanteil von Amöneburg zurück. Zu dieser Zeit bestand in der Kirche außerdem noch ein bepfründeter Katharinenaltar, über den ebenfalls Amöneburg verfügte.
In der Reformationszeit beanspruchte die Kurpfalz aufgrund der Zehnthoheit über Laudenbach trotz der Herrschaft des Wormser Bischofs und des vom Kloster Lorsch ausgeübten Kirchensatzes ein Reformationsrecht, das sie 1573 gewaltsam durchsetzte. Laudenbach machte 1576 den Wechsel vom Calvinismus zum Luthertum und 1583 wieder zurück mit.
Im Dreißigjährigen Krieg übte das Kloster Lorsch zeitweilig den Kirchensatz aus und ließ die Kirche einstweilen durch die Kapuziner aus Heppenheim versehen. Der Regensburger Vergleich (Rezess) von 1653 führte in Laudenbach das katholisch / reformierte Simultaneum ein. Der reformierte Pfarrer für Hemsbach, Sulzbach, Laudenbach und Oberlaudenbach nahm seinen Sitz in Laudenbach (im auf der Südseite der Kirche gegenüberliegenden alten Pfarrhaus). Die Katholiken aus Laudenbach wurden der St. Laurentius-Pfarrei in Hemsbach zugeordnet und vom dortigen Pfarrer betreut.
Der Wormser Bischof machte seine Rechte an der Kirche geltend und protestierte ohne Erfolg gegen den Rezess. Allerdings wurde 1680 die Nutzung des Chors in der Laudenbacher Kirche ausschließlich den Katholiken zugesprochen.
Während die evangelische Kirchengemeinde in Hemsbach 1873 eine eigene Pfarrei erhielt, verblieb Oberlaudenbach bis heute bei Laudenbach, gehört
jedoch zur hessischen Landeskirche. Die Katholiken wurden 1829 von Hemsbach getrennt und der Pfarrei Heppenheim zugewiesen. Das Simultaneum wurde nach dem Neubau der katholischen Kirche im Jahre 1936 durch einen Vergleich der beiden Kirchengemeinden beendet.
 
Zur Baugeschichte der Kirche
Die heutige evangelische Kirche wurde um 1500 im spätgotischen Stil erbaut. Aus dieser Zeit stammen der Westturm mit netzgewölbter Erdgeschosshalle und der westliche Teil des Schiffes. Die Jahreszahl 1612 über dem südlichen Seitenportal mit Renaissance-Umrahmung kündet von einem Umbau. Nach Abbruch des alten polygonalen Chors wurde das flachgedeckte Schiff nach Osten verlängert. Anstelle der kleinen spätgotischen Fenster im alten Teil des Langhauses hat man große zweitzeilige Maßwerkfenster eingebaut. Nach der Einführung des Simultaneums erhielt die Kirche auch eine Empore, die 1722 erneuert wurde. An das Langhaus wurde beim Umbau 1936 ein neuer rechteckiger Chor angebaut und neben anderen Veränderungen auch die Empore an der Nordwand abgebrochen.
Glasfenster der Künstler Vocke und Großkopf erhellen das Innere der Kirche.
 
Quelle: Evang. Kirche Laudenbach
 

Philipp Klincker 1569 - 1577 Ernst Daniel Andreae 1742 - 1746
David Pareus. Dr. D. (genannt Wängler) 1573 - 1576 Johann Wilhelm Endemann 1753 - 1770
Valentin Streck
(Streckius)
1583 - 1586 Justimus Heinrich Brünnings 1770 - 1772
Johann Klinger 1587 - 1589 Johann Friedrich Bender 1773 - 1786
Thomas Sützler 1592 - 1608 Georg Emmerich Wallauer 1786 - 1802
Anton Praetorius 1598 - 1613 Georg Philipp Weyher 1802 - 1808
Rheinhold Zufuius 1612 Theodor Golljer (Gaulier) 1809 - 1815
Johann Christoph Rheinhard Wolf 1613 - Georg Adolf Silber 1815 - 1820
Johann Zaun
(Zaunius)
1614 - 1620 Ludwig Wilhelm Wundt 1821 - 1861
Martin Hofmann 1620 Johann Böhringer (Beringer) 1861
Johann Laurentius Salmuth 1653 - 1654 Andreas Albert Kreglinger 1862 - 1899
Johann Apiarius 1653 - 1657 Richard Krayer 1899 - 1901
Petrus Carolinus 1657 - 1673 Karl Wilhelm Ludwig Hettinger 1901 - 1919
Ludolf Beucken 1674 - 1675 Hans Heiß 1919
Friedrich Preielius (Preuelius) 1675 - 1679 Adam Heiß 1920 - 1933
Johann Gerlach Deichmann 1680 - 1682 Friedrich Erwin Schenk 1933 - 1946
Caspar Hoffmann 1670 und 1681 Heinrich Preuß 1946 - 1960
Petrus Thimnerus 1685 - 1691 Gusatv Betz 1960 - 1972
Johann Peter Bochmer 1691 - 1701 Hans Joachim Thieme 1972 - 1981
Georg Kreutz 1698 - 1701 Martin Giebel 1981 - 1999
Johann Stefan Müller 1701 - 1720 Fritz Norbert Wenzler 1999 - 2013
Johann Christof Scultetus 1720 - 1743 Birgit Risch 2015 - 
 
 

Zum 400 jährigen Gedenken an das Lebenswerk eines protestantischen Pfarrers

Zum 400, Mal jährt sich das denkwürdige Ereignis, dass sich Anton Praetorius als erster und einziger evangelischer Pfarrer seiner Zeit 1602 mit einem aufsehenerregenden Buch Gründlicher Bericht von Zauberey und Zauberern an die Öffentlichkeit wandte, Damit trug er seinen Anteil zur späteren Überwindung der Hexenverfolgung bei.
Leider ist dieser Verfechter der Menschenrechte in Zeiten des Hexenwahns heute fast völlig in Vergessenheit geraten. Zum ersten Mal wird hier das bewegende Leben dieses außergewöhnlichen Kämpfers gegen den Hexenwahn dargestellt. Viele unbekannte Dokumente werden zugänglich gemacht. Fotos zeigen die Kirchen und Pfarrhäuser, die z.T. jetzt noch benutzt werden, aus den Orten Lippstadt, Kamen, Unna, Worms, Oppenheim, Dittelsheim, Offenbach, Birstein, Lich-Muschenheim und Laudenbach, in derer Praetorius wirkte.
Aktuell ist sein vehementes Eintreten nur die Abschaffung der Folter Man hat diesen Verfechter der Menschenrechte daher als einen "Vorgänger" von Amnesty International bezeichnet. Es ist ihm 1597 durch sein couragiertes Eintreten in einem Hexenprozess sogar gelungen unter Einsatz seines Lebens eine beschuldigte Frau aus der Folterkammer zu befreien. Damals wurden Frauen, Männer und Kinder als Zauberer und Hexen beschuldigt, gefoltert und verbrannt. Seit der Hinrichtung der letzten Hexe vor 200 Jahren hat sich fast keine Kirche zu diesem dunklen Kapitel der Vergangenheit geäußert. Die Worte des couragierten Pfarrers Praetorius können Anstoß geben für eine glaubwürdige christliche Stellungnahme zu den Hexenverfolgungen als ein Beitrag zur kirchlichen "Dekade zur Überwindung von Gewalt". Die "Hexer" als unschuldige Opfer eines gnadenlosen Systems verdienen auch nach 400 Jahren unsere Achtung, jeder Name ein ehrenvolles Andenken. Darin liegt die Verpflichtung; sich der Gefahren totalitärer Systeme bewusst zu werden und die Würde jedes Menschen zu verteidigen. "Sich seiner historischen Verpflichtung zu stellen, kann den Opfern und ihren Nachkommen zumindest die ihnen geraubte Würde zurückgeben". (Bundesaußenminister Fischer)Der Autor Hartmut Hegeler ist eine kreiskirchlicher Pfarrer in Unna / Westfalen und unterrichtet Religionslehre am Berufskolleg. Anstoß für dieses Buch gaben Fragen von Schülern zur "Verfolgung der Hexen".
Grafische Gestaltung: Rainer Waszkiewitz
Bestellungen an Eigenverlag - Hartmut Hegeler - Sedanstraße 37 - 59427 Unna - Tel. 02303 - 53051
mailto:Hartmut.Hegeler@web.de 14,99 Euro ISBN 3-00-009225-0
Weitere Infos:  www.anton-praetorius.de Limitierte Sonderauflage in Bucheinband (nur direkt beim Autor zu bestellen 22,95 Euro)

Gründlicher Bericht von Zauberey und Zauberern

"Gründlicher Bericht von Zauberey und Zauberern" heißt eine Schrift, die Anton Praetorius vor fast genau 400 Jahren (1598) unter dem Pseudonym Johann Scultetus verfasste und mit der er als früher Rufer und Streiter den im 16. und 17. Jahrhundert immer stärker um sich greifenden entsetzlichen Folterungen und grausamen Tötungen besonders von Frauen entgegen trat. Weiter ist auf dem Titelblatt zu lesen:
Allen Ständen der Welt in Gemein und sonderlich den hohen und nidern Obrigkeiten zu nothwendiger nachrichtung und rechter Amtspflege dienlich und nützlich zu lesen...
1602 und 1613 erscheinen weitere im hessischen Lich und in Heidelberg gedruckte Auflagen dieses Berichts. Anton Praetorius stammte aus dem lippischen Land (Lippstadt * um 1560) und hatte Hexenprozesse und Hexenverbrennungen an vier Frauen aus nächster Nähe miterleben müssen, Seine Empörung darüber machte ihn zu einem mutigen Kämpfer gegen Aberglauben; Zauberei und den schrecklichen Hexenwahn, dem die weltliche und kirchliche Obrigkeit gleichermaßen verfallen war.
Als unbequemer Mahner fiel der calvinistische Prediger bei seiner Obrigkeit in Ungnade. So kam er schließlich im Jahre 1598 in der Kurpfalz in das 'stille und winzige Laudenbach an der Bergstraße' (Lautenbach in der Bergstraß - wie auf der Titelseite seiner Schrift zu lesen ist). Hier blieb er 16 Jahre. Er starb 1613 und wurde auch in Laudenbach auf dem Kirchhof begraben. Die Grabrede, deren Text noch heute gedruckt vorliegt, hielt der Hemsbacher Pfarrer Johann Christoph Reinhard Wolf. Die nachhaltigen Zerstörungen Laudenbachs im Dreißigjährigen Krieg und danach haben von seiner Grabstätte keine Spuren hinterlassen.
Praetorius' Beziehungen und die Wirkung seiner weiteren Schriften gingen weit über den Ort hinaus. Adressaten waren u.a. hochgestellte Persönlichkeiten in Nürnberg und Danzig. Neben Neujahrsliedern hat er auch geistliche Schriften verfasst - so ein 'Hausgespräch' als Zwiesprache zwischen Vater und Sohn über den christlichen Glauben.
Er war ein frommer Mann, der auch in Laudenbach Aberglauben und Zauberei entgegen trat, als auf der Weide plötzlich 15 Pferde starben (das 'Laudenbacher Pferdesterben') und der Schultheiß und die Gerichtsverwandten die Erlösung von 'Zauber und Bann' einem Wahrsager - allerdings wie von ihm vorausgesagt - vergeblich anvertraut hatten.
In der Geschichte der Hexenverfolgungen war Praetorius eine weit seiner Zeit voraus denkende Persönlichkeit, die noch früher als der bekannte Jesuit Friedrich von Spee (Spee v. Langenfeld * 1591 + 1635 ) entscheidende Signale gesetzt hat, dass der Hexenwahn, dem unzählige Menschen - meist Frauen - zum Opfer fielen, sein Ende finden konnte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Praetorius
 
Erarbeitet in der Klausurtagung des Kirchengemeinderates vom 06. bis 08. Februar 2009
Der Gemeinde vorgestellt in einer Gemeindeversammlung am 26.03.2009
Aktualisiert im November 2016
 
Quelle: Evang. Kirche Laudenbach
 
Was im Grunde schon seit Jahrzehnten vorbildlich funktioniert, hat im Jahr 2006 einen offiziellen Charakter erhalten: Die evangelische und katholische Kirchengemeinde in Laudenbach haben ihre Partnerschaft in einer ökumenischen Rahmenvereinbarung besiegelt. 
 
Die enge Zusammenarbeit über die Konfessionsgrenzen hinweg ist unabhängig von den gerade leitenden Personen auf Dauer festgeschrieben.
Sofern keine Glaubensgründe dagegen sprechen, wird auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens gemeinsam gehandelt. Dazu gehören gemeinsame Gottesdienste an Weltgebetstag, Buß- und Bettag, Silvesterabend und Kerwe sowie Schulgottesdienste. Allgemein stehen die Gottesdienste jederzeit auch der anderen Konfession offen. Bei Kindergärten, Religionslehrern und Öffentlichkeitsarbeit wollen evangelische und katholische Christen ebenso zusammenarbeiten wie bei Caritas, Diakonie, Nachbarschaftshilfe und Seelsorge. Zusammengearbeitet wird auch in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) der drei Bachgemeinden. Der Laudenbacher Pfarr- und Kirchengemeinderat halten ebenso gemeinsame Sitzungen ab, wie sich die beiden Pfarrer zum "regelmäßigen Gedankenaustausch" treffen. Zur Ökumene gehören aber auch Neujahrsempfang, Seniorenadvent, Bibelwoche oder gemeinsame Auftritte der Kirchenchöre. Gegenseitige Einladungen zu Festen und Jubiläen, gemeinsame Terminabsprachen und bei Bedarf das gegenseitige Überlassen von Räumlichkeiten sind ebenfalls in der Rahmenvereinbarung verankert.
Die Handzeichnungen auf den Partnerschaftsurkunden stammen vom Laudenbacher Künstler Willibald Hohrein.