Zum 4. Advent: Es wird nicht immer dunkel sein!
So langsam nähern wir uns den dunkelsten Tagen des Jahres: Am Morgen ist es noch Nacht, wenn die Schulkinder zur Schule aufbrechen und die Abende sind lange, wenn es am späten Nachmittag schon wieder dunkel wird. Anders als im Sommer ist es auf den Straßen ruhig: Man hört keine Vögel zwitschern und auch keinen längeren Plausch zwischen Nachbarn auf der Straße. Ja, der Winter hat andere Geräusche und andere Farben als der Frühling oder der Sommer. Mir fehlt das Sonnenlicht.
Licht macht etwas mit uns Menschen.......

Nicht umsonst verbinden wir mit Licht viele gute Dinge, während das Dunkle eher Angst und Sorgen weckt. Doch das eine kann nicht ohne das andere: "Wo Licht ist, ist auch Schatten" so lautet ein bekanntes Sprichwort. Licht und Schatten, hell und dunkel, warm und kalt – das gehört zusammen. Yin und Yang, wie es im Daoismus heißt. Das eine braucht das andere.
Ohne das Dunkle ist vieles oberflächlich. Wirkliche Konturen entstehen erst, wenn auch Schatten da sind. Zwar ist das Dunkle für uns oft nicht angenehm, aber wir bekommen dadurch ein weiteres, ein tieferes oder reiferes Bild vom Leben. Es wird voller, realer, plastischer. Vielleicht auch interessanter.
Wenn wir uns aber in tiefen Furchen verlieren, dann wird es gefährlich. Denn ohne Licht ist kein Leben. "Es ist besser, ein Licht anzuzünden als über die Dunkelheit zu schimpfen", so schrieb mir meine Lehrerin in der Grundschule ins Poesiealbum. Ich fand den Spruch damals ein bisschen albern. Banal. Aber es steckt doch mehr dahinter als ich früher dachte. Denn ja, es liegt auch an uns, wie wir uns ausrichten. Auch im Dunkeln. Ob wir ein Licht anzünden. Gottes Wort ist ein Licht der Hoffnung. Ein Licht, das die Furchen und Tiefen ausleuchtet. Ein Licht, das bereits da ist, aber das wir immer wieder neu entdecken müssen.
Ihre Pfarrerin Helena Buntz
Als Lied, das Sie diese Woche begleiten möge, habe ich Ihnen folgendes ausgesucht:
"Es wird nicht immer dunkel sein – so klingt seit alter Zeit
das Wort der Hoffnung hell hinein in Menschentraurigkeit.
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Gott hat sich zu uns Menschen aufgemacht in der Nacht.
Gott hat sich zu seinen Menschen aufgemacht."
Der Text des Liedes stammt von Manfred Siebald, die Melodie aus dem England des 18. Jahrhunderts.
