Gedanken zum 1. Advent

"Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, damit Gott rein kann." PS. 24,7
 
Wir haben einen Türvorleger. "Wie schön, dass du da bist" steht darauf. Ich habe ihn gekauft, weil ich das so einladend fand und im Großen und Ganzen schon sagen würde, dass ich mich über allen Besuch in unserer Wohnung freue.......

Unangenehme Erfahrungen mit Gästen hatte ich zum Glück schon lang nicht mehr. Im letzten Monat war mein Mann mit dem Putzdienst im Hausflur dran und damit auch für das Ausschütteln des Türvorlegers zuständig. Als ich eines Nachmittags nach Hause kam, lag da der Türvorleger umgekehrt herum, sodass man nun, wenn man die Wohnung verlässt, liest "Wie schön, dass du da bist." Zuerst habe ich mich über diese Unaufmerksamkeit geärgert. Aber eigentlich nur ganz kurz. Eigentlich ein spannender Gedanke, wenn man es so rum liest. "Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, damit Gott rein kann" – so lautet der Ruf in einem Gebet aus dem Alten Testament (Ps 24,7), den wir im Advent immer wieder in der Kirche hören. Die Frage ist ja, wo kommt Gott eigentlich hinein? In den Tempel? In die Kirche? In unsere Wohnungen, unsere Herzen?

Das alles sicher auch. Aber das bahnbrechende, was wir an Weihnachten feiern, ist: Gott bleibt nicht "in seinen/ihren vier Wänden". Nein, Gott tritt hinaus in die Welt. Eine Welt, die Gott und dem Kind in der Krippe keinen Teppich ausgerollt hat, auf dem steht "Wie schön, dass du da bist. Willkommen in der Welt." Gott hat den Türvorleger quasi umgedreht. Absichtlich. Nicht wir müssen anklopfen, sondern Gott kommt zu uns.
Ann-Kathrin Knittel