Verabschiedung Christel Apel - ein neuer Lebensabschnitt
Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht!
"Na, hast du dich schon im Rentnerleben eingefunden?“ Diese Frage beantwortete ich meistens mit "Nein“. Nach meinem letzten Dienst-Tag, dem 31. August, den ich abends gemütlich mit den Ältesten verbrachte, war nicht einfach alles vorbei.
Ein neuer Lebensabschnitt hat für mich begonnen. Anlass, noch einmal zurück zu schauen und meinen bisherigen Weg zu betrachten!

Quelle: Christel Apel - eingebettet von bonhoeffergemeinde-hemsbach.eki-musterhausen.de
Viele Gespräche fanden statt, die Predigt zu meiner Verabschiedung, die Vorbereitung des Seniorenkreises, eine Hausandacht, Organisatorisches Privates – alles das beschäftigte mich.
"Wie geht es dir jetzt so?"
Glücklich und dankbar über und für die vielen Danksagungen, die vielfachen Beiträge am Tage meiner Verabschiedung, die vielen guten Wünsche und die unzähligen freundschaftlichen Umarmungen. Und im Alltag immer mal wieder eine Begegnung mit einem kurzen Gespräch über dieses und jenes, über gemeinsam Erlebtes und die Frage, was ich nun vorhabe. Auch kleine Episoden, wie z.B. ein Handball-Besuch in der Hans-Michel-Halle: ich will meinen Rentenausweis ‚zücken‘ da sagt der Kontrolleur: "Brauchen Sie nicht, Frau Apel, Sie waren so groß in der Zeitung, da weiß ich, dass Sie in Rente sind!" Wir lachten beide herzlich.
Ja, ein neuer Lebensabschnitt hat für mich begonnen. Anlass, noch einmal zurück zu schauen und meinen bisherigen Weg zu betrachten!
Es war ein gerader Weg, ohne Umwege, ohne Sackgassen. Ein Weg mit vielen guten Fügungen und ab und zu einer Notbremsung, ein Weg mit finsterem Tal und sonnigen Höhen.
In der Bergstadt Bad Grund im Harz fing alles an. Hier wurde ich geboren, ging zur Schule, hatte Kontakt zur Kirchengemeinde, wo auch meine Eltern aktiv waren und bei einer Veranstaltungsreihe über "Menschen der Bibel" entschied ich mich für das Studium der Theologie und Religionspädagogik. Nach dem Abitur in Clausthal-Zellerfeld absolvierte ich ein einjähriges Vorpraktikum in Bad Schwartau und Lübeck. Zum Studium zog ich nach Düsseldorf. Und nach meinem "Dipl.Rel.Päd" ging es dann nach Ludwigshafen, wo ich meine erste Stelle antrat als Gemeindediakonin.
Berufsbegleitend wollte ich in Düsseldorf weiter studieren zum "Pfarrdiakon", als jemand (J) die Notbremse zog. Und alles wurde anders. Darum setzte ich alle Energie in die Aufbauarbeit in der Ernst-Reuter-Siedlung und konnte dort wichtige Erfahrungen sammeln. Doch es zog mich in die badische Landeskirche und so bewarb ich mich, als ich erfuhr, dass in Weinheim eine Krankenhausseelsorgerin gesucht wurde. Ich hatte die notwendige Qualifikation während meines Dienstes in Ludwigshafen erworben und bekam die 50% Stelle. Eine halbe Stelle bedeutete ein halbes Gehalt – zu wenig zum Leben, und darum – ich danke es der badischen Landeskirche – wurde in der Lukasgemeinde eine halbe Diakonenstelle eingerichtet, was natürlich noch mehr Menschen freute als nur mich!
Diese Zeit dort war sehr kostbar, wunderschön und lehrreich. Pfarrer Schmekal war ein super Organisator, bei ihm lernte ich ganz "nebenbei" Veranstaltungen "auf die Beine und die Bühne zu stellen". Der Ältestenkreis und die Mitarbeitenden waren offen für meine Ideen, dachten mit, entwickelten neue Modelle. Aber dann – kam die Möglichkeit, nach Hemsbach zu wechseln. Das bedeutete, nicht mehr nach Dienstschluss im Dunkeln durch die Felder zu radeln. (Wofür ich extra einen Selbstverteidigungkurs besucht hatte)
Und so begann meine dritte Dienststelle in der Bonhoeffergemeinde. Mit Tränen in den Augen: des Abschiedsschmerzes und der Freude auf die neue Aufgabe. Und, es wurde auch sehr gut. Meine Aufgaben verschoben sich im Laufe der Zeit, meine Zuständigkeiten erstreckten sich allmählich über die Bonhoeffergemeinde hinaus und diese übergemeindliche Arbeit empfand ich als bereichernd. Gleichzeitig war dies schon ein Schritt hin zum Miteinander der "Bach-Gemeinden", das jetzt im Strategieprozess der evangelischen Landeskirche in Baden notwendig ist. Ich schau auch hier glücklich und dankbar zurück auf großes Vertrauen der Ältesten. Gut ist das Miteinander in ökumenischer Verbundenheit mit Kolleginnen und Kollegen gewesen, und darüber hinaus auch das fruchtbare, bereichernde Zusammenwirken mit der städtischen Gemeinde, mit den Schulen und in den Vereinen. Die kollegiale Zusammenarbeit im Kirchenbezirk war ebenfalls groß und hilfreich. Und nun?
"Sind Sie traurig, dass Sie aufgehört haben?" Nein! Ich bin glücklich, dass ich mein damaliges Hobby zum Beruf machen konnte, und nun wieder im "Hobbystatus" angekommen bin. Die Menschen, für die und mit denen ich aktiv war, begegnen mir hin und wieder, die Wiedersehen in Gottesdiensten sind sehr erfreulich, und die Aufgaben, die ich weiterhin erfüllen möchte, bereiten mir durch die damit verbundene Zusammenarbeit mit den anderen Aktiven viel Freude.
"Können Sie loslassen?" Ja, das habe ich im ersten Rentenmonat gemerkt! Nachdem die Pfarrstelle in der Bonhoeffergemeinde mit Herrn Pfr. von Hagen besetzt wurde, habe ich ein gutes Gefühl. Meine Pfarr-Kolleginnen kenne ich und darum weiß ich unsere Bonhoeffergemeinde zusammen mit den anderen "Bachgemeinden" auf einem guten Weg in die Zukunft.
Ihnen und Euch allen, im Haupt-und im Ehrenamt, in Gemeinde oder Verein, allen Wegbegleitenden:
"Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht!"
Eure/Ihre Christel Apel
